Konzept

Konzept der Ganztagesklasse

1. Zur Situation an der Hauptschule Hammelburg

Der Schulsprengel der Hauptschule Hammelburg umfasst in der 5. und 6. Jahrgangsstufe neben der Stadt Hammelburg auch die acht Stadtteile der Kernstadt. In der 7. bis 9. Jahrgangsstufe weitet sich der Schulsprengel aus und der größte Stadtteil Diebach neben zwei kleineren Stadtteilen und die Gemeinde Wartmannsroth mit ihren acht Ortsteilen kommen noch hinzu. In naher Zukunft werden nach einer Schulsprengeländerung die Stadtteile Diebach, Morlesau und Ochsenthal und die Gemeinde Wartmannsroth mit ihren acht Ortsteilen schon ab der 5. Jahrgangsstufe zum Schulsprengel der Hauptschule Hammelburg gehören. Dieser Schulsprengel umfasst eine Gesamteinwohnerzahl von 14.143 Einwohnern. Im Bereich der M-Klassen 9 und 10 vergrößert sich der Einzugsbereich noch einmal um den Markt Fuchsstadt, den Markt Elfershausen mit seinen Ortsteilen, der Gemeinde Sulzthal, dem Markt Euerdorf und dem Markt Oberthulba mit seinen Ortsteilen. Aus diesem erweiterten Einzugsbereich mit noch einmal 12.741 Einwohnern könnten in den nächsten Jahren ebenfalls SchülerInnen für die Ganztagsklassen kommen.

Im Schuljahr 2005/06 werden etwa 370 SchülerInnen die Hauptschule besuchen, die in 16 Klassen un-terrichtet werden. Neben 12 Regelklassen werden voraussichtlich 2 M 9 und 2 M 10 Klassen gebildet. Die durchschnittliche Klassenstärke beträgt 23,1 Schüler. In der fünften Jahrgangsstufe erwarten wir ca. 56 Schülerinnen und Schüler. Für die geplante Ganztagsklasse haben die Eltern von 28 Schülern (19 Buben und 9 Mädchen) verbindliches Interesse bekundet. Somit wird es neben dieser relativ großen Ganztagsklasse noch eine Regelklasse mit 28 Schülern geben. In der sechsten Jahrgangsstufe werden 50 Kinder in zwei Regelklassen unterrichtet. Die Klasse 6b soll – wie schon im laufenden Schuljahr – wie eine Kooperationsklasse im nächsten Schuljahr weitergeführt werden, da sich in ihr 6 Kinder mit hohem partiellen sonderpädagogischen Förderbedarf befinden. Deshalb wurden unserer Schule 12 Lehrerstunden MSD übertragen.Mit dem Fall der Mauer und dem Zerbrechen der Sowjetunion in den 90er Jahren wurde die Stadt Hammelburg zur neuen Heimat für Übersiedler aus der ehemaligen DDR und für viele Spätaussiedler aus den ehemaligen Sowjet-Republiken und Polen. Laut Auskunft des Einwohnermeldeamtes der Stadt Hammelburg bzw. des Landratsamtes kamen in den letzten 15 Jahren ca. 4200 Aus- und Übersiedler in den Raum Hammelburg.Die meisten Kinder der Spätaussiedler, die aus der Grundschule Hammelburg in die Hauptschule wechseln, es sind ca. 4 – 6 Schüler pro Jahrgangsstufe, besuchen die Volksschule seit der 1. Klasse. Dennoch bedürfen ihre Sprachkenntnisse der weiteren Entwicklung, weil viele Eltern die deutsche Sprache nicht in ausreichendem Maße beherrschen. Außerdem sind die Integrationsbemühungen weiterhin sehr notwendig, um die Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen und die Auseinandersetzungen zwischen jungen Deutschen und Spätaussiedlern zu minimieren.Die Familienstruktur ist wie in der übrigen Gesellschaft einem Wandel unterworfen. Neben vereinzelten kinderreichen Familien und intakten Familien kennzeichnen zerrissene Familien und in zunehmendem Maße alleinerziehende Mütter oder Väter die häuslichen Verhältnisse unserer SchülerInnen. Außerdem nimmt die Zahl der Eltern, die beide berufstätig sein müssen, um den Lebensunterhalt zu sichern, stets zu. Nicht in allen Fällen können die Kinder der berufstätigen Eltern von den Großeltern betreut werden. Folglich gibt es die bekannten Erziehungsprobleme und Verhaltensauffälligkeiten bei einer Vielzahl von SchülerInnen. In nicht wenigen Fällen sind Kinder nicht nur aus Alleinerzieherhaushalten am Nachmittag sich selber überlassen. Die Schüler verbringen diese „Freizeit“ zum Teil vor dem Fernsehapparat oder sie treffen sich in Cliquen, aus denen heraus auch immer wieder unüberlegte Handlungen vollzogen werden. Leider wird die Zeit am Nachmittag nur selten für eine umfassende Erledigung der Hausaufgaben genutzt. Dabei wäre dies insbesondere für die Kinder mit Defiziten dringend erforderlich. Zudem muss im Unterricht für Hausaufgabenbesprechung und -kontrolle dann erneut viel Zeit aufgewendet werden.Im laufenden Schuljahr treten aus der 4. Jahrgangsstufe von 122 Schülern voraussichtlich 55 % an die sechsstufige Realschule und in das Gymnasium über, so dass ca. 56 Schüler im kommenden Schuljahr die 5. Jahrgangsstufe besuchen werden. In Gesprächen mit den Klassenlehrerinnen der 4. Klassen und der Beratungsrektorin der Grundschule Hammelburg wurde deutlich, dass ein großer Teil der Schüler-Innen, die im kommenden Schuljahr in unsere 5. Jahrgangsstufe übertreten werden, einen erheblichen Förderbedarf in Deutsch und/ oder Mathematik haben, so dass sich in den 5. Klassen Lern- und Verhaltensprobleme konzentrieren werden, denen wir nur mit einem großen Betreuungsaufwand und individualisierenden Maßnahmen begegnen werden können. Die Notwendigkeit, den SchülerInnen nach dem Übertritt in unsere 5. Jahrgangsstufe unserer Hauptschule eine positive Lerneinstellung zu vermitteln und das Gefühl für Können und Leistung erneut zu entwickeln, bedarf einer intensiven und zeitaufwändigen Lern- und Förderphase im Deutschen, in Mathematik, im Englischen. Außerdem muss die Vermittlung lebenspraktischer Hilfen in den Mittelpunkt schulischer Arbeit gestellt werden. So können soziales Miteinander, Umgangsformen, Konfliktbewältigung und Freizeiterziehung weiterentwickelt werden. Darüber hinaus muss auch der musischen Entwicklung Rechnung getragen werden. Alle diese Ziele können wohl am besten in einer Ganztagesklasse verwirklicht werden.

2. Die Schüler der Ganztagesklasse
Nach einer entsprechenden Information der Eltern unserer künftigen Fünftklässler über unsere Planung, eine Ganztagesklasse für die 5. Jahrgangsstufe zu beantragen, sind schriftlich und verbindlich für eine solche Ganztagsklasse – vorbehaltlich ihrer Genehmigung - 19 Schüler und 9 Schülerinnen angemeldet worden.
Von diesen 28 Kindern liegt bei 16 Schülerinnen oder Schülern ein Förderbedarf in Deutsch und/ oder Mathematik vor. 6 Kinder kommen aus Alleinerzieher-Haushalten, bei weiteren 2 Kindern sind beide Eltern berufstätig, 4 Kinder kommen aus Aussiedlerfamilien und bei weiteren 7 Kindern wurden Pro-bleme bei der Erziehung angegeben. Außerdem besuchten 4 Schüler eine Diagnose-Förderklasse.

Die Beratungsrektorin der Grundschule Hammelburg, Frau Simone Albert, lernte die SchülerInnen bei ihrer Beratertätigkeit während der gesamten Grundschulzeit kennen. In einem Gespräch diagnostizierte sie den Förderbedarf in Deutsch und Mathematik und im Sozialverhalten und machte Vorschläge für Fördermaßnahmen, die wie folgt dargestellt werden:


Förderbedarf im Deutschen

Rechtschreiben: Große Defizite in der Wiedergabe von Wörtern aus dem Grundwortschatz (Üben in Rechtschreibwerkstatt; Einsatz von Karteikästen; gezieltes Anwenden von Regeln, Erlernen und Vertiefen von Strategien); LRS-Förderkurs (Training nach Reuter-Liehr)Lesen:Große Schwierigkeiten beim wortgenauen, flüssigen und zeilenübergreifenenden Lesen; Probleme, umfangreichere Texte selbständig inhaltlich zu erfassen und gewonnene Informationen richtig wiederzugeben (durch Lesetraining und kleiner Gruppen gezielt Tempo erhöhen; Einsatz von Texten, die dem Anspruchs-- 3 -
niveau des Einzelnen entsprechen; Förderung durch Kleingruppe); Gefallen an Literatur finden (Buchnacht; Aktion Lieblingsbuch ..)



Förderbedarf in Mathematik

Zahlen und Rechnen:Arbeit an den basalen mathematischen Lernvoraussetzungen (Fähigkeit zur Seriation, Zählfähigkeiten); erarbeiteter Zahlenraum wurde noch nicht vollständig erfasst (Veranschaulichung auf verschiedene Weise; Einsatz von GS-Material; handelnd den Zahlenraum aufbauen); Addition und Subtraktion nicht gesichert, ebenso Multiplikation und Division (Wiederholung, Automatisierung durch intensive Übungen in Kleingruppen); evtl. Mathe-Förderkurs anbieten (Rechenfertigkeiten -> Anwenden von Zahlenwissen mit konkreten Material)Anwendungsbezogene Mathematik:Sachaufgaben werden nicht sicher gelöst, da das Problem nicht durchschaut wurde (Hilfe: Gemeinsam in der Kleingruppe Lösungshilfen entwickeln und sie dann anwenden, auf neue Aufgaben übertragen, Einsatz von Skizzen, Tabellen u. Ä.)Geometrie:Körperformen spielerisch erfahren (z.B. WTG, Sport); Übungen





Förderbedarf beim Sozialverhalten

Schulung der sozialen Verantwortung:Achten auf Regeleinhaltung und Verlässlichkeit, z. B verpflichtend Dienste übernehmen, Absprachen einhalten, sich an vereinbarte Regeln halten (z.B. im Sport, in der Pause); Rituale pflegen, um Kindern einen Rahmen zu geben (Mittagessen); Klassenrat als GremiumKooperation:Einfühlungsvermögen schulen (Empathie-Übungen, sich in andere versetzen); Teamfähigkeit trainieren (die eigenen Bedürfnisse zugunsten der Gruppe oder des Teams zurückstellen; siehe Mannschafts-Sport);
kompromissbereit sein; mit anderen zusammenarbeiten und auskommen(gezielte Projekte, evtl. Schullandheimaufenthalt zu Beginn des Schuljahres); andere in ihrem Anders sein tolerieren und akzeptierenKonfliktverhalten:Probleme, Konflikte friedlich und verbal zu lösen; in Fächern wie Sport oder Religion Selbsteinschätzung der Kinder ermöglichen, ausprobieren, inwieweit sie richtig lagen, mit angemessener Kritik umgehen lernen; MUT-Projekt in der Klasse durchführen (wie kann man Konflikte friedlich lösen); Verhaltensmodifikation durch VerträgeKommunikation:Durch initiierte Situationen die Kinder dazu zu bringen, ihre eigenen Meinung zu äußern und auf die Meinung anderer eingehen (Morgenkreis, Freitagsabschluss)Konzentration und Ausdauer fördern:Verschiedene Konzentrationsspiele anbieten (Sport); Zeiten, um zur Ruhe zu kommen anbieten; Entspannungs- und Stressbewältigungstechniken erlernenLern- und Arbeitsweise verbessern:Das Lernen lernen (gezieltes Lerntraining), Aufzeigen von richtigen Lerntechniken (Evtl. Elternabend), Zeitmanagement, Freiarbeit; Lernen mit allen Sinnen (alle Lernkanäle einsetzen), Lerntypen bestimmen Selbstwahrnehmung:Durch Übungen sich selbst und den eigenen Körper wahrnehmen (Sport); motorische Defizite durch gezielte Übungen vermindern; die eigenen Schwächen erkennen und lernen, damit umzugehen; durch Ermöglichung von Erfolgen und Betreuung in kleineren Gruppen positives Selbstbild langsam wieder aufbauen; Schüler stabilisieren.

Allgemeiner Förderbedarf

Zeit und Lerntempo den Schülern anpassen (einige Kinder mit sonderpädagogischen. Förderbedarf, die aus der Förderschule zurückgeschult wurden); zudem Aussiedler mit SprachproblemenMehr Zeit zum Wiederholen einplanen; bessere Differenzierung durch kleiner GruppenKinder mit Aufmerksamkeitsproblemen: klare Regeln, Rituale, Bewegungsdrang entgegenkommen, ihnen einen Rahmen gebenFördern und FordernAuf diesen besonderen Förderbedarf muss bei der Auswahl der Unterrichtsangebote Rücksicht genom-men werden.

3. Der Kinderhort mit seinem Betreuungsangebot für Grundschüler
Ein Teil der für die Ganztagsklasse angemeldeten Schüler/innen wurde während der Grundschulzeit vom städtischen Hort „Kinderkiste“ nach Unterrichtsende bis ca. 16.30 bei den Hausaufgaben und bei der Freizeitgestaltung betreut. Diese Betreuung muss in der Ganztagesklasse mit einem entsprechenden Unterrichtsangebot fortgeführt werden. Die Schulleitung unserer Hauptschule und die Klassenlehrkraft der künftigen Ganztagsklasse stehen mit dem Hort in einem Informationsaustausch, um die Kontinuität in der unterrichtlichen Förderung der Ganztagskinder zu gewährleisten.

4. Die Stadt Hammelburg als Sachaufwandsträger
In einem Gespräch wurden die Bürgermeister und Fraktionsvorsitzenden der Stadt Hammelburg über das Vorhaben einer Ganztagesklasse in Kenntnis gesetzt und der notwendige Sachaufwand für das Klassenzimmer, das Mittagessen und die Freizeitgestaltung zur Sprache gebracht. Nach einer intensiven Beratung der finanziellen Erfordernisse in Höhe von 10.000,- € (Genaue Aufstellung in der Anlage) stimmten alle anwesenden Kommunalpolitiker dem Vorhaben einstimmig zu.
Der Stadtrat der Stadt Hammelburg hat in seiner Sitzung am 24.01.2005 die Einrichtung einer Ganzta-gesklasse beraten, den Finanzbedarf positiv zur Kenntnis genommen und die Unterstützung der geplanten Maßnahme einstimmig beschlossen. (Den Presseartikel aus der Stadtratssitzung und eine gesonderte Stellungnahme der Stadt Hammelburg legen wir in der Anlage bei.)

5. Die Elternschaft
In einem Elterninformationsabend, an dem ca. 40 Eltern unserer künftigen Fünftklässler teilnahmen, wurde über Inhalt und Form einer Ganztagesklasse eingehend informiert. Schulrat Josef Hammerl, Be-ratungsrektorin Simone Albert und Rektor Manfred Heidelmeier von der GS Hammelburg hoben die Entwicklungsmöglichkeiten für die Schulkinder hervor, die von einer Ganztagesklasse ausgehen. Die anwesenden Eltern machten bei der lebhaften Diskussion bzw. auf den Anmeldeformularen deutlich, dass

- sie für ihre Kinder im gemeinsamen Lernen die Chance sehen, dass die Stärken früh erkannt und gefördert werden und die Kinder viel von einander lernen können,
- sie für ihre förderbedürftigen Kinder eine intensive Förderung in Deutsch und/oder Mathematik wünschen,
- sie sich nicht in der Lage sehen, ihr Kind bei der schulischen Arbeit zu unterstützen, wenn sie über keine ausreichenden Deutsch-Kenntnisse verfügen,
- sie als Alleinerziehende während ihrer Berufstätigkeit auf eine pädagogisch qualifizierte Förderung und Betreuung ihres Kindes angewiesen sind,
- sie durch den Besuch der Ganztagesklasse eine Chance für ihr Kind sehen, den erfolgreichen oder gar
den qualifizierenden Hauptschulabschluss zu erreichen oder in den M-Zug einzusteigen.-

6. Organisatorischer Rahmen der Ganztagesklasse
Zeitlicher Ablauf
Täglicher Unterrichtsbeginn: 8.00 Uhr
Unterrichtsende von Montag bis Donnerstag um 16.10 Uhr
Mittagspause von 12.00 Uhr bis 13.00 Uhr
Wochenschluss ist Freitag 13.00 Uhr

Räumliche Gegebenheiten
Nach einem Anbau an die Grundschule Hammelburg und der Überlassung von entsprechenden Räumen sind wir mit ausreichenden Schulräumen versorgt. Der bisherige Essensraum unserer alten Schulküche kann auch weiterhin als Essensraum für die Ganztagesklasse genutzt werden. In ihm können ca. 30 SchülerInnen ihr Mittagessen einnehmen. Die vorhandenen Schränke, das Geschirr und das Besteck können weiter genutzt werden.Die Planung einer neuen Schulküche und deren Ausschreibung sind soweit fortgeschritten, dass mit dem Einbau in den Osterferien 2005 und in der Zeit danach fest gerechnet werden kann.Weitere Renovierungsschritte sind in einem Gesamtkonzept bereits geplant und mit der Regierung von Unterfranken fest vereinbart.Zur Differenzierung und Gruppenarbeit stehen 4 Gruppenräume zur Verfügung. Für Übungen im Fach PCB kann der Physikraum genutzt werden, im Sportbereich die Dreifachturnhalle und die Grundschulturnhalle.
Neben dem Hauptgebäude befinden sich weitere Klassenzimmer in zwei Nebengebäuden. Dadurch wird es möglich sein, die Ganztagsklassen in einem der Nebengebäude unterzubringen um den Ganztagsbetrieb besser mit dem Regelunterricht vereinbaren zu können. In der Mittagspause können die Schüler bei schönem Wetter den Allwetterplatz der Grundschule benutzen, der im Bezug zu den Regelklassen der Hauptschule etwas abseits liegt.

Einsatz der Lehrkräfte
An unserer Schule unterrichten 17 KlassenleiterInnen, 4 Lehrkräfte ohne Klassenführung und 8 Fachlehrkräfte und Religionslehrer sowie 1 Förderlehrer ergänzen das Team. Unser Lehrerkollegium zeichnet sich besonders durch den kollegialen Umgangston zwischen den Kolleginnen und Kollegen aus. Alle Kolleginnen und Kollegen fühlen sich an unserer Schule wohl und es gefällt ihnen die Arbeit an und für unsere Schule. Aus dieser positiven Grundeinstellung heraus wurden aus dem Lehrerkollegium heraus in den vergangenen Jahren viele Einrichtungen und Projekte ins Leben gerufen, die insbesondere zu einem Abbau der Lern- und Verhaltensdefizite bei den Schülern beitragen sollten. So wurden Maßnahmen und Projekte zur Gewaltprävention, zur Suchtprävention, zur Streitschlichtung usw. initiiert, Maßnahmen, die auch heute noch in unserer Schule gepflegt werden. (Die Dokumentation im Anhang soll die Breite der Projekte und Maßnahmen belegen) Im laufenden Schuljahr wurde mit der Einrichtung einer Klasse in der 5. Jahrgangsstufe, die wie eine Kooperationsklasse geführt wird, der Versuch unternommen, einer größeren Anzahl von Schülern mit hohem sonderpädagogischen Förderbedarf beim Abbau ihrer Lerndefizite in kleineren Lerngruppen und unter Einsatz des MSD zu helfen. Viele Kolleginnen und Kollegen sehen mit Sorge die Tatsache, dass bei einer Menge Schüler die Lernbereitschaft fehlt und dass von vielen Schülern die Hausaufgaben nur unvollständig oder gar nicht angefertigt werden, weil sie sich am Nachmittag selbst überlassen sind und ihnen die nötige Selbstbestimmung fehlt. Es entwickelte sich in unserem Kollegium die Meinung, dass in Zukunft die alltäglichen Lern- und Verhaltensdefizite nur durch die Einführung der Ganztagsklasse bzw. –schule nachhaltig bewältigt werden können.
So unterstützten nahezu alle Lehrkräfte den Antrag auf die Einführung einer Ganztagsklasse. Spontan meldeten sich 6 bis 8 Lehrkräfte für die Unterrichtsarbeit in der Ganztagsklasse.

Um die Erziehungs-, Unterrichts- und Bildungsziele realisieren zu können, gilt in der Ganztagsklasse vornehmlich das Klassenlehrerprinzip:

Als Klassenlehrer soll Herr Matthias Luther zum Einsatz kommen, ihm zur Seite wird Herr Ulrich Müller als weiterer Lehrer gestellt. Beide Lehrkräfte arbeiteten in den vergangenen Jahren stets sehr intensiv und vertrauensvoll zusammen, sie waren in den letzten Jahren in der 5. und 6. Jahrgangsstufe eingesetzt und unterrichteten die jeweiligen Parallelklassen. Zahlreiche Projekte und Maßnahmen, die oben erwähnt wurden, wurden von ihnen iniziiert. (Eine Übersicht darüber legen wir in der Anlage bei.) Als Beispiele seien nur genannt das Projekt zur Gewaltprävention und das Projekt „Das Lernen lernen“ und das Projekt MFM in Zusammenarbeit mit der Diözese Würzburg zur Sexualerziehung. Bei allen Projekten legten sie großen Wert darauf, dass auch die Eltern ins Projekt mit eingebunden waren. Die Erfahrungen in der kollegialen Zusammenarbeit und ihr engagierter Einsatz auch im Hinblick auf neue Lernstrategien sind grundlegende Bausteine für die Zusammenarbeit in einer Ganztagsklasse. Somit halte ich beide Kollegen für die Arbeit in einer Ganztagsklasse in hohem Maße geeignet. Dazu kommt, dass Herr Müller als Beratungslehrer, der auch das Projekt „Auszeit“ an unserer Schule mitbetreut, für die Übernahme von besonderen Erziehungsaufgaben sehr geeignet ist. Herr Luther hat als langjähriger Klassenlehrer den Blick für wesentliche Unterrichts- und Erziehungsaufgaben, wie sie in der Ganztagsklasse anvisiert werden. Außerdem führt er als Systembetreuer die Schüler schon frühzeitig an das Lernen am und mit dem Computer heran. Darüber hinaus legt er großen Wert auf die Erziehung zum selbständigen Lernen und Handeln.
- Der Hauptanteil der Unterrichtsfächer nämlich Rev, D, M, PCB, GSE, AWT und M-Förderunterricht liegt in der Hand des Klassenlehrers Matthias Luther.
- In weiteren Unterrichtsfächern nämlich E, Rrk, Mu, PCB-Projektarbeit, PCB-Übungen, D-Förderunterricht und Lesen /Literatur (Stadtbücherei) wird er vom Lehrer Ulrich Müller unterstützt.
- Ergänzt und aufgelockert wird dieses Unterrichtskonzept durch ein zusätzliches Angebot von LRS, DaZ, Sport, EBSU, WTG-Unterricht, Kunsterziehung, Perkussion, Chorgesang und Schulgarten.

Unterrichtsangebote und Fördermaßnahmen

Damit die Schüler die Ganztagesklasse akzeptieren, muss das Konzept rhythmisierenden Unterricht bieten, in dem sich Phasen konzentrierten Lernens mit Phasen sozialer oder musischer Aktivitäten abwechseln.
Das Unterrichtsangebot umfasst neben dem herkömmlichen Unterricht im entsprechenden Fächerkanon der 5. Jahrgangsstufe zusätzliche Lern- und Förderangebote, die wie der Regelunterricht über den ganzen Schultag verteilt werden. Die Schüler werden in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch je nach Förderbedürftigkeit gefördert und bereiten den Lernstoff aus den Sachfächern nach. Außerdem sind sie künstlerisch-kreativ, musikalisch, sportlich und naturwissenschaftlich tätig.

Unsere Ziele für die Ganztagesklasse

Unterrichtliche Förderung

Abbau der Lerndefizite im Deutschen (wie vor beschrieben)Vermittlung, Vertiefung und Aneignung des neuen Lernstoffs im Deutschen durch besonderen FörderunterrichtNutzung der Stadtbücherei zum Aufbau von Lesefreude und Literaturbegeisterung und Steigerung der LesefähigkeitAbbau der Lerndefizite in Mathematik (wie vor beschrieben)Vertiefung des neuen Lernstoffs in Mathematik durch besonderen Förderunterricht unter Berücksichtigung der Entwicklung der Rechenfertigkeit und RechenfähigkeitVertiefung des Lernstoffes in PCB durch fachbezogene Experimentierübungen
Lernförderung
Vernetztes Lernen durch projektbezogenen UnterrichtErlernen von zeitgemäßen LernstrategienAufbau einer positiven Lerneinstellung der Schüler
Soziale Förderung
Auf- und Ausbau eines tragfähigen Sozialverhaltens der SchülerEntwicklung der TeamfähigkeitKonfliktbewältigung durch StreitschlichtungErlernen und Pflege der Kulturtechnik „Einnahme des Mittagessens“Erlernen des Tischverhaltens, der Gesprächskultur und des richtigen Gebrauchs des Essbestecks

Klassenbezogener Stundenplan
Die Unterrichtsstunden der Ganztagesklasse werden über den ganzen Schultag verteilt. Die Lern- und Leistungskurve der Schüler ist dabei zu berücksichtigen. Ein Wechsel von lernintensiven Unterrichtsstunden und musischen Unterrichtsstunden bzw. erarbeitendem Unterricht und verarbeitendem, mehr übungsbezogenem Unterricht ist unerlässlich. Die starre 45 Minuten-Stunden-Regelung wird zugunsten eines flexibleren Tagesablaufs, der sich an den individuellen Bedürfnissen der SchülerInnen orientiert, aufgegeben. (Muster-Stundenplan in der Anlage)

Perspektiven für die Profilbildung der Ganztagsschule
Nach der Genehmigung einer Ganztagsklasse wird in den nächsten Jahren ein Ganztagszug bzw. eine Ganztagsschule aufgebaut, neben der es auch einen Regelklassenzug und einen M-Zug geben wird. So streben wir für die nächsten Schuljahre folgende Perspektiven an:

Im Fachbereich Musik
Mit Herrn Claßen und Herrn Teubert sowie mit Frau Heger arbeiten an unserer Schule drei ausgezeichnete Musikexperten. Unter ihrer Anleitung streben wir den Ausbau des Chorgesangs und den Ausbau unserer Instrumentalgruppen, dem Schulorchester und der Big Band an. Eine Zusammenarbeit mit der Musikakademie Hammelburg wird angestrebt und ist mit dem Direktor der Musikakademie, Herrn Grollmann, bereits abgesprochen.

Unsere Schüler in der Ganztagsschule sollen vielfältige Möglichkeiten im Bereich Musik nutzen können. Ein Instrument erlernen und im Orchester oder der Big Band mitspielen, Gesangstalente entdecken und pflegen, Tanzangebote wahrnehmen und weiterentwickeln und Rhythmusinstrumente kennenlernen, den therapeutischen Charakter von Musik erfahren, damit möchten wir die musischen Kräfte und Begabungen unserer SchülerInnen weiter entwickeln und perfektionieren.

Im Fachbereich Sport
In den Sportvereinen im Raum Hammelburg werden insbesondere die Ballsportarten Fußball, Handball, Basketball und Volleyball neben den leichtathletischen Disziplinen und Turnen gepflegt und betrieben. Unsere Sportfachleute, Frau Feser, Herr Hartmut Karlitzek, Herr Friese und Herr Weinig führen die SchülerInnen in den genannten Sportarten weiter. Dieses Angebot steht auch und insbesondere den Ganztagsschülern zur Verfügung. Damit möchten wir dem verbreiteten Bewegungsmangel begegnen und die SchülerInnen zu Spiel und Spaß, Anstrengungsbereitschaft und Fair Play im Sport führen. So werden die SchülerInnen an weitere Möglichkeiten herangeführt, ihre Freizeit am späten Nachmittag und am Wochenende in sinnvoller Weise in den örtlichen Sportvereinen zu verbringen. Dies wird durch mögliche Kooperationen mit den Vereinen unterstützt.

Abschließende Gedanken
An unserer Hauptschule existieren teils schon seit Jahren Einrichtungen und Projekte, die in der Ganztagsschule erst richtig zur Entfaltung kommen und ganz neue Möglichkeiten unterrichtspraktischer und erziehlicher Art eröffnen. Auch unter diesem Blickwinkel würden wir die Einrichtung einer Ganztagsklasse sehr begrüßen und als wirkungsvolle Weiterentwicklung unseres Schulprofils verstehen. Die Stellung unserer Hauptschule neben den anderen weiterführenden Schulen Realschule und Gymnasium wird auf diese Weise eindeutig gestärkt und erhält auch im Blick auf das gesellschaftliche Umfeld einen neu-en Vertrauensvorschuss, den es in den kommenden Jahren zu nutzen gilt. Das Bild von der Hauptschule im Raum Hammelburg bekommt mit dem Ganztagszug einen völlig neuen Stellenwert.Unsere Lehrkräfte stehen einer Ganztagsklasse sehr positiv gegenüber und sehen in einer solchen neuen Unterrichts- und Erziehungsform eine große zeitgemäße Chance, den Herausforderungen im Unterricht und in der Erziehung durch die Veränderungen in Familie und Gesellschaft wirksam begegnen zu können. Die Kolleginnen und Kollegen wollen ihr berufliches Engagement in dieser neuen Schulform weiterentwickeln und gezielt einbringen. Letztlich erreichen sie damit auch eine größere Berufszufriedenheit, was sich auch auf die ganztägige Unterrichts- und Erziehungsarbeit für die uns anvertrauten Kinder auswirken wird.